Freiwillige erzählen…

Eva Rössle

Eva Rössle hat den Besuchsdienst in Salzburg mitinitiiert
und war selbst 18 Jahre lang als Freiwillige aktiv.

Wohl hunderte Menschen hat Eva Rössle im Laufe ihres freiwilligen Engagements kennengelernt, ihnen Trost und Zeit gespendet. Dass sie im Besuchsdienst eine so langfristige erfüllende Aufgabe findet, war dabei eher Zufall. „Ich habe Ende der 1990er für eine Versicherung Fragebögen an PatientInnen im Diakonissen-Krankenhaus ausgegeben und dabei gemerkt, wie groß der Gesprächsbedarf ist. Mit Seelsorgerin Michaela Koller habe ich oft darüber gesprochen. Sie empfand das genauso und so gründete sie 2001 der ehrenamtliche Besuchsdienst im Krankenhaus und Haus für Senioren“, erinnert sich Eva Rössle. Eine Handvoll Freiwilliger seien sie damals gewesen, aber ständig kamen interessierte Frauen dazu, mehrere waren dann viele Jahre aktiv, zwei aus dieser Zeit sind noch immer tätig.

Berührende Lebensgeschichten

16 Jahre lang besuchte Eva Rössle jede Woche PatientInnen auf der Internen Station. „Ich bekam eine Liste mit den Namen, aber ich wusste nicht, was und wer mich dann erwartet. Diese Überraschungen, die Vielfalt der Menschen habe ich geliebt“, erklärt Frau Rössle. Die Begegnungen waren berührend, sie selbst habe eine Menge über die Menschen, ihr Leben, ihre Sorgen, Ängste und über zwischenmenschliche Beziehungen gelernt. „Ein Herr hat mir von seinem Kriegstagebuch erzählt. Er war froh, dass er mit irgendjemanden sprechen konnte und ich habe gemerkt, wie sehr er alles bedauert, mit sich kämpft und ins Reine kommen will.“

Sprachlosigkeit aushalten können

Viele Begegnungen mit schwerkranken oder sterbenden Menschen hätten sie anfangs aber auch sprachlos gemacht. „Ich habe darauf die Hospizausbildung gemacht und gelernt zu akzeptieren, dass man nicht immer reden muss. Manchmal reicht es, wenn man einfach da ist und zuhört oder nur daneben sitzt und die Hand hält“, erklärt Frau Rössle. Diese Erfahrung hat ihr auch in den letzten zwei Jahren geholfen, als sie in den Besuchsdienst im Haus für Senioren wechselte.

Einmal pro Woche für eine Stunde besuchte sie dort eine fast 100-jährige Dame. „Ich kannte sie von einem Krankenhausaufenthalt. Zum Reden hatten wir wegen der fortschreitenden Demenz aber zunehmend weniger. Ich habe ihr dann oft Obst mitgebracht, das mochte sie gern und Obstessen war unser Ritual. Sie war damit vollkommen glücklich“, erzählt Frau Rössle. Selbst habe sie gelernt, noch offener und flexibler zu sein. Sie konnte nicht bei alten Themen anknüpfen und Fragen zu stellen, war nicht gut, weil die betagte Frau oft keine Antworten mehr wusste. Nach dem Tod dieser Dame habe sie entschieden, aus dem Besuchsdienst auszusteigen. „Diese Beziehung war schon enger als die Momentaufnahmen im Krankenhaus. Ich möchte diese gesamte bereichernde Zeit nicht missen“, erklärt Eva Rössle.

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„Die Vielfalt der Menschen
habe ich geliebt.“

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