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16. Dezember 2021

Der kleine Weihnachtsengel – Eine Weihnachtsgeschichte von einer freiwilligen Helferin aus Salzburg

Dagmar Unterrainer engagiert sich für ihre Mitmenschen seitdem sie elf Jahre alt ist. Der Umgang mit anderen Menschen, egal ob jung oder alt, macht sie glücklich; strahlende Kinderaugen erwärmen ihr Herz und lassen es vor Freude tanzen. Im Rahmen ihrer Freiwilligenarbeit beim Bewohnerservice Itzling entdeckte sie durch Zufall ihre Gabe für das kreative Schreiben.
“Es sind oft die äußeren Eindrücke, die Erzählungen der Menschen, die mich inspirieren und aus denen meine Geschichten entstehen”, erzählt Frau Unterrainer über ihre Leidenschaft.

 

 

Der kleine Weihnachtsengel

Gemeinsam schwebte das Christkind mit dem Engel Gabriel und dem kleinen Peter vom Himmel. Peter war eigentlich gar kein richtiger Weihnachtsengel, aber er wollte gerne einer sein. Er wollte die Kinder sehen, die ungeduldig in der Stube saßen und auf den Heiligen Abend warteten.
Schon bald hatte sich der kleine Peter so weit von den beiden Engeln entfernt, dass er sie nicht mehr sehen konnte. „Nein“, hatte Gabriel zu ihm gesagt, bevor er seine zarten, zerbrechlichen Flügel ausbreitete, „du gehörst in die Kinderstube.“
Aber davon wollte Peter nichts wissen und so versteckte er sich unter den großen Flügeln des Christkinds und schwebte mit ihnen davon.

Peter hatte sich einen Sack um die Flügel gebunden. Er war voll mit Kerzen. Kerzen, die er für die Menschen anzünden wollte, wenn er auf der Erde war. „Pass gut auf die Kerzen auf“, hatte das Christkind gesagt. „Du darfst keine verlieren, sonst sind die Menschen traurig. Und bleib immer dicht bei uns. Sonst wirst du dich noch verirren.“

An all das hatte Peter gedacht. Doch jetzt hatte er das Christkind und den Engel Gabriel verloren. Nun war er ganz alleine auf dieser großen weiten Welt. Neugierig presste er sein Näschen an die Fensterscheibe und schaute in die Stuben der Menschen.

In vielen Stuben war der Raum hell erleuchtet und es roch nach Lebkuchen und Kletzenbrot. Doch als er an der alten Hütte am Waldrand vorbeischwebte, war alles finster. Peter presste das Näschen gegen die Fensterscheibe und schaute hinein. Warum brennt dort kein Licht? Wohnt da niemand? Doch, da war jemand. Peter sah es sofort, denn Engel können auch in der Finsternis sehen.
Eine alte Frau saß auf der Ofenbank und weinte. Warum ist sie so traurig? Hat sie niemanden, der sich um sie kümmert? Peter griff in den Sack und holte die größte Kerze heraus. Er öffnete die Tür, schwebte durch den Raum und zündete die Kerze an. Der Lichtstrahl erhellte die Stube, und die Augen der alten Frau fingen an zu leuchten.
„Wenn mich schon die Menschen vergessen“, flüsterte die alte Frau – „das Christkind vergisst mich nicht“, hörte Peter sie leise sagen.

Peter lächelte. Er war zufrieden. Jetzt konnte er beruhigt weiterfliegen und die nächste Kerze anzünden. Wieder presste er sein schon rot gewordenes Näschen an die Fensterscheibe und schaute in die Stube hinein.
Auf dem Sofa saß eine junge Frau. Sie weinte. Ihr Herz war gebrochen. Sie hatte vor einigen Tagen ihre geliebte Mutter verloren. Im ersten Moment wusste der kleine Peter gar nicht, was er machen sollte, doch dann breitete er spontan seine zarten Flügel aus und strich über die Wange der jungen Frau. Sogleich entglitt ihr ein Lächeln. Peter lächelte, als er das bemerkte. Er zündete die Kerze an und flog beruhigt davon.

„Jetzt muss ich mich aber beeilen. Ich muss das Christkind und den Engel Gabriel suchen. Wenn ich sie nicht bald finde, dann bekomme ich Ärger.“ Aber auch in der nächsten Stube sah er einen traurigen Menschen.
„Vielleicht kommt er ja morgen – oder übermorgen“, hörte er den verzweifelten Mann sagen. „Ich werde auf meinen Bruder warten, hier in der warmen Stube. Er wird sicherlich bald kommen.“
Auch hier zündete der kleine Peter eine Kerze an, auch hier wollte er ein bisschen Liebe schenken.

Als Peter bemerkte, dass der Sack immer leichter wurde, wurde er plötzlich müde. „Nur eine Minute, mehr brauche ich nicht, um mich zu erholen“, rief er nach oben, klappte die Flügel zusammen und schloss die Augen. Es dauerte auch nicht lange, bis er zum nächsten Fenster flog. Als er jedoch in die Stube sah, die lauten Stimmen hörte, wollte er schon wieder umkehren. So einen heftigen Streit hatte er noch nie erlebt. Peter erhob den Kopf und schaute in den Himmel. „Was soll ich tun, liebes Christkind? Soll ich weiter fliegen?“
„Aber nein“, hörte er das Christkind sagen. „Du musst deinen Auftrag erfüllen. Auch wenn sich die Menschen streiten, so musst du auch hier die frohe Botschaft verkünden und eine Kerze anzünden.“
Peter zündete noch viele Kerzen an, bevor er zurück in den Himmel flog und die Engelsstube betrat.

„Du hast die Herzen der Menschen erleuchtet“, sagte das Christkind zufrieden und streichelte dem kleinen Peter über das blond gelockte Haar. „In jedes Fenster hast du hineingeschaut, eine Kerze angezündet, bis der schwere Sack leer war. Ich weiß, das war eine schwierige Aufgabe, aber du hast sie gemeistert. Dafür wirst du von mir belohnt. Von nun an darfst du jedes Jahr auf die Erde fliegen und für die Menschen die Friedenskerze anzünden.“
Peter nickte zufrieden und schmiegte sich an die Flügel des Christkinds.
„Und nun schnell unter die warme Decke, du bist ja ganz ausgefroren. Ich werde dir einen heißen Tee ans Bett bringen und dann singen wir mit den Engeln gemeinsam das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht.“

Es waren berauschende Klänge, die in dieser Nacht vom Himmel glitten, als die Kirchenglocken läuteten und alle Menschen sich in der Kirche versammelt hatten, um die Geburt Jesu zu feiern. In dieser Heiligen Nacht herrschte Frieden auf Erden.

 

Fotonachweis und Geschichte: Dagmar Unterrainer

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