Freiwilligenarbeit als Beruf(ung) – Portrait einer Freiwilligenkoordinatorin

Für Gabriele Huber ist Freiwilligenmanagement mehr als ein Beruf. Sie leitet einerseits die Stabstelle Freiwilligenarbeit im Diakoniewerk Salzburg. Dabei ist sie für Qualität, Verlässlichkeit und Innovation im unternehmensweiten Freiwilligen-Management zuständig. Andererseits kommt sie als eine der Koordinatorinnen des Besuchsdienstes mit vielen Menschen und ihren Lebensgeschichten in Kontakt.

Die Kombination von Management-Aufgaben und Gesprächen mit den Menschen machen ihren Arbeitsalltag spannend und abwechslungsreich. „Freiwilligenkoordination ist schon sehr fordernd. Aber die positiven Effekte auf jeden einzelnen Menschen sind es für mich einfach wert“, berichtet die 54-Jährige. Eine der eindrücklichsten Geschichten ist jene einer demenzkranken Frau. „Wir haben ihr einen wöchentlichen Besuchsdienst vermittelt. Der Hund der Freiwilligen kommt meistens mit und die Freude darüber rührt die demente Dame immer zu Tränen“, freut sich Huber über die gelungene Besuchsdienst-Vermittlung.

„Diese Begegnungen bringen den betagten Menschen Lebensqualität zurück und vertreiben trübe Gedanken. Es ist erstaunlich, was das Spazierengehen, Vorlesen oder Gespräche mit Freiwilligen für die Senior*innen bedeuten. Für manche ist es der einzige Besuch pro Woche“, erklärt Huber.

Angebote wie der Besuchsdienst bieten nicht nur Struktur, sondern schaffen auch Nähe, Vertrauen und Stabilität. Gerade im Corona-Lockdown ab März 2020 hat sich das qualitätsvolle Freiwilligen-Management bewährt. „Wir haben binnen 72 Stunden gemeinsam mit der Stadt Salzburg, den Bewohnerservicestellen und der Österreichischen Hochschülerschaft einen umfassenden Freiwilligen-Dienst aufgezogen“, berichtet Huber. Rund 1000 Menschen haben sich schließlich gemeldet, um für andere einkaufen zu gehen, Medikamente aus der Apotheke zu holen oder am Telefon zu plaudern, um die Einsamkeit erträglicher zu machen.

Gabriele Huber hat diese Bereitschaft zum zivilen Zusammenhelfen stark beeindruckt. Damit wurde ein Meilenstein betreffend Nachbarschaftshilfe gelegt. „Die jungen Menschen zeigten schnell und verlässlich Verantwortungsbewusstsein. Es war schön zu beobachten, dass die Senior*innen die Hilfe auch dankend angenommen haben“, resümiert die Diplomierte Krankenpflegerin.

 

Wordrap:

  • Freiwillige sollten mitbringen … Empathie, Geduld und Neugier auf neue Erfahrungen. Wichtig ist, dass sie sich nach ihrem Interesse und verfügbaren Zeit einbringen können – egal ob dauerhaft oder kurzzeitig.
  • Freiwilligenarbeit bringt … oft im Verborgenen ganz viel Lebensfreude und Lebensqualität.
  • Freiwilligenarbeit bedeutet für mich … ein unbezahlbares Engagement für eine gute Gemeinschaft und fördert den Zusammenhalt.
  • Freiwilligenarbeit braucht … eine professionelle Begleitung mit gesicherter Finanzierung. Meine Erfahrung ist, dass in vielen Bereichen mit gut geplantem und begleitetem zivilem Engagement teure Langzeit-Kosten vermieden werden können.

Bildnachweis: Josef Blaschko