Freiwilliges Engagement und Social Distancing – Ein Widerspruch?

Seit nun beinahe einem halben Jahr erleben wir Veränderungen unserer bislang gewohnten Normalität. Wir verspüren große Auswirkungen, ausgelöst durch ein mikroskopisch kleines Virus, die sich zweifelsohne auch im Bereich der freiwilligen Einsätze manifestieren.
Vor welchen Herausforderungen steht freiwilliges Engagement in Zeiten von Corona? Wie kann man, auch während des Social Distancing, Nähe und Unterstützung vermitteln?

Besuche bei Senior*innen, Lernhilfen für Kinder und Jugendliche oder sich in der Essenausgabe für wohnungslose Menschen zu engagieren – dies sind nur manche Facetten des freiwilligen Engagements. Die stets gemeinsame Komponente der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ist der zwischenmenschliche Austausch und Kontakt. Ein persönliches Gespräch, eine Berührung, miteinander einen Tee zu trinken oder aber auch gemeinsam eine Partie Mühle zu spielen, das sind soziale Interaktionen, die sowohl Freiwilligen als auch Klient*innen überaus wichtig sind. Um einander jedoch gegenseitig zu schützen und eine Ausbreitung von Corona einzudämmen, sollen soziale Kontakte derzeit so gut wie möglich vermieden werden. Stellt dies ein Hindernis dar, sich freiwillig zu engagieren?

Bestimmt nicht! Jede Herausforderung birgt gleichzeitig auch immer positive Aspekte. So sind seit dem ersten Lockdown zahlreiche, neue Projekte und Initiativen entstanden. Viele Leute zeigten, dass sie ihre Mitmenschen unterstützen möchten. Von Einkaufshilfen für Risikogruppen über spontan organisierte IT-Kurse – innerhalb kurzer Zeit war ein enormes, gesellschaftliches Potenzial des Zusammenhalts erkennbar. Füreinander da zu sein, Solidarität zu zeigen und anderen zu helfen ist auch aktuell durchaus realisierbar und speziell in Zeiten der Krise essenziell.

Wer sich derzeit freiwillig engagieren möchte, hat zum Beispiel die Möglichkeit, sich in der Nachbarschaftshilfe einzubringen. Mit dem Hund spazieren gehen, Einkäufe oder Besorgungen für vulnerable Gruppen übernehmen, dies sind Unterstützungen, die für einige Mitmenschen momentan elementar sind.
Auch der digitale Besuchsdienst ist für viele Personen wichtig, um der sozialen Isolation zu entgehen. Ob per E-Mail, Skype, SMS, WhatsApp oder Telefonat – es gibt viele Optionen, auch während des Social Distancing, soziale Kontakte zu pflegen. Um Freiwilligen und Klient*innen einen leichteren Umgang mit digitalen Medien zu ermöglichen, förderte das Freiwilligenzentrum Salzburg dieses Jahr insbesondere Fortbildungen zu digitaler Kompetenz und Kommunikation im Internet.
Zudem kann man, im Rahmen der Lernbegleitung, Schüler*innen per Videotelefonie beim Lernen oder bei Hausübungen unterstützen.
Zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft ist, mag viele Leute äußerst positiv überraschen. Einem bekannten Zitat zur Folge, erkennt man den Wert von Gesellschaften ja daran, wie mit deren vulnerabelsten Mitgliedern umgegangen wird. Demnach ist die Zivilgesellschaft derzeit mehr als vorbildlich und zeigt, wie sehr uns unsere Mitmenschen am Herzen liegen.

Wer sich auch in Zeiten von Corona freiwillig engagieren möchte, kann sich gerne unter folgender Adresse melden:

Kontakt Freiwilligenzentrum Salzburg:
Marlies Blaschko, M.A.
Leitung Freiwilligenzentrum Salzburg
Aignerstraße 53
5026 Salzburg
+ 43 676 43 09 705
office@freiwilligenzentrum-salzburg.at

Bildnachweis: Daniela Klein